Bayerns wohl jüngster Gutsherr

Sein Debüt: Klaus Rauschendorfer steht vor dem Haus Ludwigplatz 15, das er sich mit 18 Jahren von seinem ersten Geld kauft und das er nur mit der Hilfe seines Vaters innerhalb von vier Jahren in ein modernes Stadthaus verwandelt. Inzwischen ist der 30-Jährige wohl auch Bayerns jüngster Gutsherr, nachdem er vor drei Jahren Gut Haggn in Neukirchen kauft. Und ausgeträumt hat Klaus Rauschendorfer hat noch lange nicht ... − Foto: Schweighofer

 

Fassungslosigkeit – dieses Gefühl herrscht bei den Freunden von Klaus Rauschendorfer vor gut zwölf Jahren vor. Fassungslosigkeit und ja, auch ein bisschen Mitleid. "Jetzt spinnt er total", so die damals oft und gerne gehörte Einschätzung. Und was soll man sagen? Man kann die Kumpels durchaus verstehen. Denn mal ehrlich: Welcher gerade erst 18 Jahre gewordene Bursche kommt auf die Idee, sich mit seinem mühsam angesparten Geld eine heruntergekommene Bruchbude am Plattlinger Stadtplatz zu kaufen und die dann auch noch selbst renovieren zu wollen? Eben. Für Klaus Rauschendorfer allerdings machte diese "bescheuerte Idee", wie seine Freunde zu sagen pflegten, sogar richtig viel Sinn. Er beginnt an diesem Tag seinen Traum zu leben.

Als 18-Jähriger, er lernt gerade Industriekaufmann, entdeckt Rauschendorfer im Internet etwas, das ihn einfach nicht mehr los lässt: Das Haus am Ludwigplatz 15 in Plattling wird zum Verkauf angeboten. "Und das auch noch sehr günstig", wie Klaus Rauschendorfer noch heute mit einem Leuchten in den Augen erzählt. 95000 Euro werden als Preis aufgerufen. "Das war für mich machbar, weil ich genau dieses berühmte Drittel an finanziellen Möglichkeiten für die Bank gehabt habe." Es beginnt für Klaus Rauschendorfer eine Zeit, die als "intensiv" zu beschreiben, noch maßlos untertrieben wäre. Während andere sich nach einer 40-Stunden-Arbeitswoche schon erleichtert auf das Kanapee fläzen, schuftet der heute 30-Jährige gerne mal 20 Stunden – am Tag wohlgemerkt. Nach der Arbeit kellnert Rauschendorfer noch, bedient auf bis zu 14 Volksfesten im Jahr und saniert nebenbei das Haus am Ludwigplatz innerhalb von vier Jahren – eine Energieleistung sondersgleichen.

 

Als "Schandfleck" für den Stadtplatz wurde das Anwesen bezeichnet, bevor der 18-jährige Klaus Rauschendorfer es kaufte und sanierte. Dieses Foto zeigt den damaligen maroden Zustand des Hauses, in dessen Innerem Tauben und Schwalben herumflogen. − Foto: Rauschendorfer

 

Geschafft – mit 22 Jahren ist Klaus Rauschendorfer Hausbesitzer. Und langweilt sich dennoch bald wieder – "nur" mit seinem normalen Job. "Ich habe mich dann entschlossen: Jetzt suche ich mir meinen Traum – mein eigenes Schloss." Doch schnell muss der junge Hausbesitzer feststellen – ein Schloss ist nochmal eine ganz andere Kragenweite als ein marodes Stadthaus. Drei Mal wird er nach Erfolg versprechenden Verhandlungen noch überboten. Doch wo sich eine Tür schließt, da öffnet sich irgendwo eine andere – diesen unerschütterlichen Optimismus lebt Klaus Rauschendorfer. Also wird es (erstmal) kein Schloss, dafür aber das idyllische Gut Haggn in Neukirchen im Landkreis Straubing-Bogen.

Mit 18 Jahren fängt Rauschendorfer dort zu Bedienen an, rund neun Jahre später kauft er das Gut, renoviert mit viel Liebe zum Detail die Gasträume, schafft Wohnungen, saniert den alten Marstall, der nun für Kulturveranstaltungen und Hochzeiten genutzt werden kann. Vom Kellner zum Gutsherren – ein Aufstieg, der einige Gäste von früher kalt erwischt: "Das freut mich aber, dass Sie hier wieder eine Anstellung bekommen haben." Solche gut gemeinten Ansprachen darf sich Klaus Rauschendorfer vor drei Jahren häufiger anhören. "Es können sich einige nicht vorstellen, dass einer mit 30 Jahren so einen Betrieb führt", sagt er.
Mehr dazu lesen Sie in der Samstagsausgabe, 16. Dezember, Ihrer Plattlinger Zeitung.

 

https://www.pnp.de/lokales/landkreis_deggendorf/plattling/2769251_Klaus-Rauschendorfer-ist-Bayerns-wohl-juengster-Gutsherr.html

Bild Dominik Schweighöfer Passauer Neue Presse